De presbytero Joanne Asiatico et prima dominii Tartarorum origine

Eo tempore quo communibus copiis Syriae a Christianis obsessa et expugnata est, anno 1098, erat monarcha regionum Orientalium Asiae Coir Cham, quo mortuo sacerdos quidam et pastor Nestorianus arripuit dominium populi Naimam in terra Naiam, ac deinceps totius Orientis imperium, vocatusque est (ut erat) presbiter et rex Joannes; quo defuncto imperium sibi arrogavit frater ejus Vuth, qui in Carocoran dominabatur, et Cham se vocavit, id est dominum. Hic dum metueret succrescentes multitudinem et vires Sumongularum, hoc est aquaticorum Mongulorum, qui proprie Tartari dicebantur a Tartar flumine patrio, quanquam  nec regem nec civitatem haberent sed pastores tantum essent et tributum annuum penderent, voluit illos in varias regiones dispergere quo rebellandi potentiam frangeret, verum illi cognationis et mutuae societatis jura relinquere nolentes conspiratione facta fugerunt versus aquilonem, amplam ibi et natura munitam regionem occupantes, in qua etiam  negato tributo tueri se possent et libertatem vindicare. Post paucos vero annos, cum (ut habet Gulielmus Tripolitanus) gregibus imperatoris sui Vutcham graverentur caeteri Mongali, aut alioqui forte propter ereptum Tartarorum tributum vexarentur, faber quidam ferrarius Mongalus, nomine Chinchis communis injuriae pellendae et libertatis afferendae avidus Jecmongalos ad defectionem sollicitat, Tartaros revocat, et communicatis consiliis omnium consensu rex creatur anno Domini 1187, mox eas regiones quae citra Belgian montem erant invadens facile omnes adeptus est, quoniam ut erat prudens, recte victoria utebatur, in victos minime saeviebat, sed unicuique lubenter se submittendi et militiae operam suam communicanti vitam conjuges liberos et substantiam omnem salvam esse jubebat. Deinde montem Belgian ubi in oceanum excurrit superansagressus est regnum Tenduc sedem imperialem Vutcham,quo devicto factus est monarcha orientis, vixit post Vutchamsex annis, in quibus multas provincias imperio suo adjecit. Sic imperium ad Mongalos pervenit et Tartarorum dicitur, cum quod horum occasione et opera conquisitum sit, tum maxime quod communi jure et societate viventes Mongali omnes generaliter Tartari vocarentur. Mansit autem Vutcham cum sua posteritate rex Tenduc, sed sub tributo et Tartarorum imperio. Haec breviter collegimus ex Marco Paulo Veneto, Haitono Armeno, et Gulielmo Tripolitano Dominicano Anconensi, qui anno 1275 a Gregorio 10 missus fuit ad Tartaros, quo prima dominii Tartarici origo et sedes nota esset, ac de veritate ejus Presbiteri Joannis qui in Asia regnare creditus est hactenus, tum quoque diversum esse eum ab illo, qui usque hodie in Africa Prete Giam appellatur, constaret.

Über den asiatischen Priester Johannes und den ersten Ursprung des Reiches der Tartaren 

Zu der Zeit, als durch die vereinigten Truppen Antiochia in Syrien von den Christen belagert und erstürmt wurde, im Jahr 1098, war Coir Khan Alleinherrscher über die östlichen Gebiete Asiens. Als dieser gestorben war, riß ein Priester und Nestorianer-Pastor die Herrschaft über das Naimanvolk im Lande Naiam an sich und danach die Herrschaft über den gesamten Orient. Genannt wurde er (was er auch war) Priester und König Johannes. Nach dessen Tod beanspruchte sein Bruder Vuth, der in Karakorum herrschte, das Reich und nannte sich "Khan", das heißt "Herr". Dieser fürchtete die wachsende Menge und Stärke der Sumongolen, das ist der Wassermongolen, die eigentlich "Tartaren" genannt werden, nach ihrem heimatlichen Fluß Tartar. 

Obwohl sie weder König noch Staat besaßen, sondern nur Hirten waren und einen Jahrestribut zahlten, wollte er sie in verschiedene Gebiete verstreuen, um so die Kraft zum Widerstand zu brechen. Diese aber wollten die Rechte der Verwandtschaft und des gegenseitigen Bündnisses nicht aufgeben, verabredeten sich heimlich und flohen nach Norden, wo sie ein weiteres und natürlich gesichertes Gebiet besetzten, in dem sie sich nach Verweigerung des Tributs schützen und ihre Freiheit bewahren konnten. 

Nach wenigen Jahren aber, als (wie Wilhelm von Tripolis berichtet) die übrigen Mongolen durch die Scharen ihres Kaisers Vuth Khan belästigt wurden, oder sonstwie wegen des ausgefallenen Tributs der Tartaren gequält wurden, stachelte ein mongolischer Schmied, namens Dschingis, um das gemeinsam erlittene Unrecht abzuwehren und die Freiheit wieder herzustellen, die Jecmongolen zum Abfall auf, rief die Tartaren zurück und wurde nach gemeinsamer Beratung unter allgemeiner Zustimmung zum König gewählt, im Jahr des Herrn 1187

Darauf drang er in die Gebiete ein, die diesseits des Belgian-Gebirgszuges lagen und gewann sie leicht, da er, klug wie er war, den Sieg richtig ausnutzte, keineswegs gegen die Besiegten wütete, sondern jedem, der sich freiwillig unterwarf und in seine Kriegsdienste trat, sein Leben, seine Frauen, seine Kinder und seinen ganzen Besitz unversehrt ließ. 

Dann überschritt er den Belgian-Gebirgszug, wo er ins Meer ausläuft, und griff das Reich Tenduc an, den Herrschersitz des Vuth Khan. Nach dessen Niederlage wurde er Alleinherrscher des Ostens. Er überlebte Vuth Khan um sechs Jahre, in denen er seinem Reich zahlreiche Provinzen hinzufügte. 

So gelangte die Herrschaft an die Mongolen und hieß "die der Tartaren", einerseits weil sie mit deren Unterstützung und Hilfe gewonnen wurde, andererseits vor allem weil die unter gemeinsamem Vertragsrecht lebenden Mongolen alle allgemein "Tartaren" genannt wurden. Vuth Khan aber und seine Nachkommen blieben Könige von Tenduc, aber tributpflichtig und unter der Herrschaft der Tartaren. 

Das haben wir kurz zusammengestellt und den Werken des Venezianers Marco Polo, des Armeniers Haiton und des Wilhelm von Tripolis, eines Dominikaners aus Ancona, der im Jahr 1275 von Gregor X. zu den Tartaren geschickt wurde, entlehnt, damit der erste Ursprung und der Sitz des Tartarenreichs bekannt wurde, und wegen der Wahrheit über diesen Priester Johannes, von dem man glaubte, daß er noch in Asien herrsche. 

Es sollte dann auch festgestellt werden, daß er verschieden sei von dem, der bis heute in Afrika Prete Giam genannt wird.